Basteleien hinter den KulissenVerfasst von Jürgen Starek am 11. Februar 2010 - 18:06.
Zur Zeit erledigen wir viele Verwaltungsarbeiten, und jeden Tag gehen viele Mails über die internen Listen. Aber parallel zu diesem "langweiligen Bürokram", der sich nicht gerade gut eignet, um hier darüber zu berichten, geht es natürlich auch bei der Technik weiter. Für ein neues Spektrometer, das in den Laboren des Bonner Max-Planck-Instituts gebaut wurde, benötigten wir einen Rechner, der die Daten abnimmt, vorverarbeitet und speichert. An diesem Beispiel möchte ich einmal zeigen, was beim Bau einer solchen maßgeschneiderten Workstation so alles zu tun ist. Die Anforderung an das System war, eine bestimmte Datenmenge pro Sekunde zuverlässig anzunehmen, so schnell zu verarbeiten, dass die jeweils nächsten Daten nicht warten müssen und die Daten für die folgende Verarbeitung zwischenzulagern. Allerdings konnten wir mit Rücksicht auf unser Budget nicht einfach die leistungsstärksten Komponenten am Markt zusammenschrauben. Also musste ich etwas rechnen. Am Ende kam dann das hier heraus (wie immer können alle Bilder per Klick in einer großen Version geöffnet werden):
Ein leeres, neues 19"-Gehäuse und die Komponenten, die hineinsollen. Als Hauptplatine dient ein Asus M3N WS, in dem ein Prozessor von AMD (der Athlon II X3 425) und vorerst "nur" 2 GB Hauptspeicher (dafür aber mit Fehlerüberwachung und -korrektur (ECC)) arbeiten. Dazu kommen natürlich ein Netzteil, ein DVD-Laufwerk - und fünf Festplatten: Eine alte IDE-Platte für das Betriebssystem und vier 200 GB-Platten für die Daten, die sich je nach Anwendungsfall unterschiedlich zusammenschalten lassen. Als Erstes wird der Prozessor eingesetzt, Antistatikhandschuhe verhindern dabei, dass der empfindliche Halbleiter einen "Schlag" bekommt. Weil wir bei einem Laborrechner keine besonderen Anforderungen an die Kühlung haben, kommt der mitgelieferte Standard-Aluminium-Kühler zum Einsatz. Auf dem mittleren Bild ist zu erkennen, dass er von unten mit einer Paste beschichtet ist, die eine gute Wärmeleitung zwischen dem Prozessor und dem Kühlkörper sicherstellt. Die Montage ist einfach: Aufsetzen, Halteklammern einrasten, fertig.
Als nächstes wird noch der Arbeitsspeicher eingesetzt...
...und das Netzteil eingebaut. Ein erstes Einschalten zeigt: Der Rechner startet. Der Fehlercode 9F, den die Diagnoseplatine anzeigt (mittleres Bild), erinnert daran, dass jetzt noch die insgesamt fünf Festplatten und das CD-Laufwerk eingebaut und angeschlossen werden müssen. Danach muss natürlich (wie auf dem dritten Bild zu sehen) erst einmal das Kabelchaos gebändigt werden. Zum Schluss wird der Rechner ein Weilchen belastet, um die Hitzeverteilung im Gehäuse abschätzen zu können und weitere Lüfter einzubauen - die Festplatten etwa sitzen direkt im Luftstrom eines großen Lüfters an der Front. Damit ist die Hardware erst einmal fertig.
Bis hierher dauerte alles keine zwei Stunden. Die eigentlich aufwändigen Dinge, nämlich die Konfiguration des Systems (wir verwenden für die Mess-PCs ein Debian Linux), kommen noch... und das Ergebnis der ganzen Arbeit sind dann 14 cm mehr gefüllter Platz im Rack :-) Man muss sich, wenn man vor den Schaltschränken steht, einmal vorstellen, wie viel mehr Arbeitszeit in manchen speziell für den Stockert angefertigten Messgeräten steckt. Nebenan war die Steuerungs-Gruppe mit Testfahrten beschäftigt, um sicherzustellen, dass der Spektrometer-Rechner auch bald Arbeit hat.
|
Terminkalender
Benutzeranmeldung |