Das erste Jahr nach dem ersten Licht ("first light"): Bericht des MessbetriebesVerfasst von Jörg Siepmann am 15. Januar 2012 - 19:27.
Das erste Licht (“First Light”)Am 26. Februar 2011 waren die wesentlichen Komponenten der Empfangskette fertig gestellt und das Teleskop konnte manuell gesteuert werden. An diesem Tag wurde das Teleskop auf ein Gebiet der Milchstraße gerichtet und mittels des Fast Fourier Transform Spectrometers (FFTS) nach Emissionen des neutralen Wasserstoffs (HI) gesucht. Abb. 1: Das erste Licht auf dem Spektrometer (Sky frequency beträgt 1450MHz – Frequenz der X-Achse) Entwicklung der InstrumentensteuerungAngespornt durch das “erste Licht” wurde ein erheblicher Teil des Aufwandes in die Rechnersteuerung für das Teleskop und die Datenerfassung gesteckt. Damit kann das Instrument heute nun automatisch auf Quellen fahren und diese verfolgen. Darüber hinaus können Bereiche in terrestischen, galaktischen und Himmelskoordinaten abgescannt werden. MessungenSchritt für Schritt konnten parallel zu der Inbetriebnahme verschiedene Messungen gemacht werden. Ziel hierbei war es, soviel wie möglich an Erfahrung zu gewinnen und dabei die Eigenschaften des Instrumentes kennenzulernen. Ausgangspunkt hierbei waren die verschiedenen radioastronomische Phänomene wie sie in Lehrbüchern und anderen Veröffentlichungen beschrieben sind. Hierdurch konnte ein breites Spektrum von verschiedenen Radioquellen erfasst werden: Abb 2: Beispiel eines Cross-Scans des Orion Nebels, vertikale Skala: Intensität in willkürlichen Einheiten Spektrale Messungen in Richtung galaktischer Quellen:• HI Emissionsspektrum in der galaktischen Ebene von l= 0° bis 240° und an verschiedenen anderen Stellen Abb 3: Beispiel einer “kalten” HI Emission außerhalb der galaktischen Ebene Abb 4: Beispiel einer Radio-Rekombinationslinie: H α 166 vom Orion Nebel, aufgenommen mittels Frequenzsprungverfahren (daher sowohl ein positives und ein negatives Signal), vertilkale Skala Brightness temperature Pulsarbeobachtung:Der Pulsarmode des FFTS Spektrometers erlaubt die Erfassung von Pulsarsignalen: Abb 5: Pulsar Signal vom 0329+54 Extragalaktische Quellen:Nahegelegene Galaxien konnten anhand ihrer HI Emission detektiert werden. Die so aufgenommenen Galaxien waren: Abb 6: Beispiel: Wasserstoff Emission der UGC4305 (Holberg II) Galaxie. Weiterhin ist die Emission einer “high velocity cloud” und die “normale” Wasserstoff Emission aus unserer Galaxis in diesem Spektrum zu sehen. Kontinuumstrahlung von Galaxien mit aktivem galaktischem Kern (AGN) wurde von den folgenden Quellen beobachtet. Abb 7: Beispiel: Rektaszension-Scan der Herkules A Galaxie, vertikale Skala ist die Intensität in willkürlichen Einheiten Die Messungen zeigen, dass das Instrument heute wieder in der Lage ist, eine Vielzahl von radioastronomischen Phänomenen zu detektieren. Wir haben ebenfalls Bereich identifiziert, in denen eine Optimierung möglich ist. Das wichtigste Ziel hierbei ist die Verbesserung der Empfängerstabilität, bei dem ein Problem aufgetreten ist. Dies wird zum Ende des Jahres 2011 angegangen, wenn der Empfänger aus dem Primärfokus zur Überprüfung ausgebaut wird. AusblickWir erwarten eine Reihe von Veranstaltungen im Jahr 2012. So werden Studenten von Universitäten praktische Erfahrung in der radioastronomischen Beobachtung sammeln. Wir werden Besuche von Schulen und Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer haben. DanksagungOhne die Unterstützung von verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen wäre all dies nicht möglich gewesen. Wir sind der Nordrhein-Westfalen Stiftung außerordentlich dankbar, dass sie durch finanzielles Engagement, dauerhafte Unterstützung und Ermutigung den Förderverein in seiner Aufgabe gefördert hat. Ohne die mutige Entscheidung der Stiftung, in dieses hervorragende Monument von Wissenschaft und Technik zu investieren, wäre alle Mühe umsonst gewesen. Wir haben unschätzbare Unterstützung in der Technologie, durch Rat und praktische Hilfe durch das Max-Planck Institut für Radioastronomie (MPIfR), die Fraunhofer Gesellschaft für Hochfrequenzforschung (FHR), das Argelander Institut für Astronomie der Universität Bonn und die Hochschule Bonn-Rhein erfahren. Schließlich haben sich die Mitglieder der Fördervereins nach besten Kräften um all die großen und kleinen Dinge gekümmert, ohne die eine Revitalisierung dieses alten, aber immer noch leistungsfähigen Instrumentes nicht möglich wäre. Astropeiler Stockert, November 2011 |
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