Geschichte

 

Geschichte des

Radioteleskops

Stockert

Historischer Astropeiler
Anfänge der Radioastronomie

Seit Galileo Galilei erstmals mit einem Fernrohr die Sterne beobachte, sind mehr als 400 Jahre vergangen. Dahingegen ist die Radioastronomie - als ein Teilgebiet der Astronomie - dagegen eine recht junge Wissenschaft: Der Nachweis, dass wir auf der Erde auch Radiostrahlung aus dem Weltall empfangen können, wurde 1933 erbracht. Karl Jansky untersuchte damals Störungen bei der Übertragung von Radiowellen und entdeckte dabei eher zufällig Radiowellen aus dem Zentrum unserer Milchstraße.

Die erste systematische Suche nach Radiostrahlung aus dem Weltall führte der Funkamateur und Nachrichteningenieur Grote Reber durch. Er hat 1937 in seinem Garten das erste universelle Radioteleskop im heutigen Sinne gebaut, einen allseitig schwenkbaren Parabolspiegel mit einem Empfänger im Brennpunkt. Die erste vollständige Himmelsdurchmusterung konnte von ihm 1943 beendet werden. Es dauerte aber noch bis in die fünfziger Jahre, bis die Astronomen diese Beobachtungen richtig interpretieren konnten

Der Beginn auf dem Stockert

Der Beschluss zum Bau des Astropeilers wurde in den Nachkriegsjahren gefasst. Am 19.7.1955 reichte die Universität Bonn das Baugesuch ein, und nach Erteilung des Bauscheins am 22.11.1955 wurde der Astropeiler im Lauf des Jahres 1956 fertig gestellt und am 17. September eingeweiht. Die Astronomische Forschung begann 1957 mit der Untersuchung von Linienprofilen des interstellaren Wasserstoffs.

Spiegelbau Sockel Richtfest Spiegelmontage

Der Astropeiler war damals das teuerste Forschungsprojekt in Deutschland. Das Teleskop war für einige Zeit das größte seiner Art und blieb noch für einige Jahre das genaueste radioastronomische Messinstrument seiner Zeit.

Stockert-YouTube-Video (8:04) - Die Collage aus einmaligem historischem Bild- und Filmmaterial zeigt den Aufbau bis zur Einweihung, gibt interessante Einblicke in Details, die heute nicht mehr möglich sind.

Die Aktivitäten bis 1975

Auch in den 60er Jahren wurde weiter im Bereich von 21cm, also im Bereich des interstellaren Wasserstoffs geforscht, ergänzt durch Kontinuumsmessungen bei 11cm. Die rege Aktivität machte bald Erweiterungen erforderlich, und so wurden zwei Wohnhäuser gebaut, die einerseits für Betriebspersonal, anderseits für Wissenschaftler vorgesehen waren.

Bereits 1963 begannen Planungen für ein Laborgebäude und einen weiteren, 10m großen Empfangsspiegel. August 1965 wurde das 10m-Radioteleskop fertig gestellt, Anfang 1966 konnte das Laborgebäude übergeben werden. Da der Spiegel für die Beobachtung der solaren Radiostrahlung konzipiert war und auch so genutzt wurde, wurde er "Sonnenspiegel" genannt, und das Laborgebäude hieß "Sonnenhaus". Das Sonnenhaus wurde 1967 durch einen Anbau erweitert.

1966 gab es einen Schaden am Lager des 25m-Spiegels, das Teleskop konnte dann einige Monate nicht im Azimut bewegt werden. Nach der Reparatur verlagerte sich die Forschung auf Kontinuumsmessungen im 11cm Bereich.

Viele Erfahrungen mit dem Astropeiler flossen in die Konstruktion des neuen Radioteleskops in Effelsberg ein, und nach dessen Inbetriebnahme im Jahr 1972 begann die Forschung langsam dorthin abzuwandern. Während 1971 noch durchgehend im 21 cm Bereich gemessen wurde, war das 25m-Teleskop 1974/75 nur noch eingeschränkt in Betrieb und wurde im Oktober 1975 vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) stillgelegt.

Teleskope Sonnenhaus
Ende der 70er Jahre: Wiederaufnahme des Betriebes

Die Universität Bonn, die den Astropeiler vom Max-Planck-Institut übernommen hatte, begann 1978 mit den Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Messbetriebes. 1979 war es dann soweit, im Juli begann ein großes Programm, das "11cm-Survey" der galaktischen Ebene. Dieses lief über sechs Jahre bis 1985. Während dieser Zeit wurde das Radioteleskop auch immer wieder renoviert und verbessert. So sind für 1983 unfangreiche Arbeiten am Stahlgerüst der Antenne und am Beton des Gebäudes vermerkt.

Nach Abschluss des Surveys wurde an der Verbesserung der 11cm-Empfangstechnik gearbeitet, und es wurden weitere Beobachtungsprogramme in diesem Frequenzbereich gemacht. Ein ehemaliger Operator des Teleskops hat eine Fotogalerie mit Motiven des Stockert in den 80ern auf seiner Webseite zusammengetragen, wo er auch eine interessante Geschichte der Sternwarte zitiert.

Ende der Nutzung

So langsam wurde es aber wieder stiller auf dem Stockert, so findet das Teleskop im Jahresbericht 1990 des Institutes für Radioastronomie keine besondere Beachtung mehr. Genutzt wurde es jedoch für Praktika und Diplomarbeiten. Die letzte wurde 1994 geschrieben: Unter dem Titel "90 Tonnen auf den Punkt gebracht" stellte Thomas Bausen ein neues Fahrprogramm für das Teleskop vor.

Der Neuanfang

Nachdem sich die Universität Bonn 1995 vom Stockert zurückgezogen hatte, gründete sich unser Verein und der Peiler wurde technisches Denkmal. 1997 wurde das gesamte Gelände an ein Privatunternehmen verkauft. Während dieser Zeit begannen die Funkamateure im Verein, den 10-m-Spiegel für EME-Betrieb wieder herzurichten. Als er neue Eigentümer der Anlage im Jahr 2004 insolvent wurde, wurde 2005 der Astropeiler dankenswerterweise von der NRW-Stiftung erworben. Die Stiftung stellte Mittel für die Sanierung zur Verfügung. Seitdem konnte an der Restaurierung der Anlagen gearbeitet werden.

In der zweiten Jahreshälfte 2007 wurden in einer aufwändigen Aktion umfangreiche Restaurierungs- und Rostschutzarbeiten am Peiler vorgenommen. Es folgten Arbeiten an der Technik, insbesondere auch die Erneuerung der Empfangstechnik. Auch das Sonnenhaus wurde komplett saniert.

Struktur Gerüst am Gabelkopf Hauptlager

Anfang Mai 2010 konnte dann der Astropeiler wieder eröffnet werden, und erste Veranstaltungen folgten. Die regelmäßigen Öffnungen an den Sonntagen zogen Besucher an, die nun historische Technik und moderne Steuerungs- und Empfangsysteme sehen können.

Festzelte 25m-Spiegel Gästehaus

Im Jahr 2011 begann wieder der radioastronomische Messbetrieb, über den wir fortlaufend hier berichten. Die Aus- und Weiterbildung von Schülern und Studenten, aber auch die Demonstration von Radioastronomie für das allgemeine Publikum sind wesentlicher Bestandteil dieser Aktivitäten. Die Geschichte der alten Dame "Astropeiler" ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.

Heute ist der Astropeiler Stockert das weltweit größte und leistungsfähigste Radioteleskop in der Hand von Amateuren.